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Zahnbrecher (niedere Heilkunst)

Der Zahnbrecher beherrschte nur zwei Behandlungsmethoden: entweder wurden die kranken Zähne gezogen oder ein Zahnpulver verwendet. Man glaubte, dass Zähne von Würmern zerfressen würden. Diese Würmer trieb der Zahnbrecher angeblich aus, indem er Bilsensamen auf ein heißes Blech streute. Der entstehende Rauch wirkte betäubend, wenn er eingeatmet wurde. Die Schmerzen des Patienten ließen nach.
Die grauen Samenkörner sprangen durch die Hitze auf und kleine weiße Kerne kamen hervor, die vermeintlichen Zahnwürmer.
Zahnbrecher traten oft zusammen mit einem Possenreißer auf, wodurch die  Zahnbehandlung ein öffentliches Spektakel wurde.

(Q.: Selinger, Alice: Heilkunst im Mittelalter; Beiheft zur Ausstellung im Budinger Heuson-Museum, 2013)


Zentenarius, Centenarius (mlat.), Zentenar
(lat . centurio hunno;
mhd. zëntenaere, zëntgrave)

a) Im Frankenreich (5. – 9. Jh) ursprünglich Vorsteher des Zent und des Zentgerichts (= Zentgraf)
b) Im Karolingischen Reich war er ein Hilfsorgan des Grafen in administrativer, militärischer, polizeilicher und gerichtlicher Hinsicht.
c) In der Nachkarolingischen Zeit wurden die Zentenare zu herrschaflichen Beamten.


Zent, die
(
lat. centum: hundert)
syn. Hund, Huntare

a) Mit eigener Gerichtsbarkeit ausgestatteter Siedlungsverband (anfangs ca. 100 Siedlungen, Name!) im Frankenreich (ca. 500 – 9. Jh.)
b) Unterbezirk einer Grafschaft (HochMA – SpätMA);
Gerichts- und Verwaltungsbezirk im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (962 – 1806)
(Zentgericht)
Anmerkung: Die Zent ist nicht mit dem Send zu verwechseln.

 

Zustand

a) Beistand, Begleitung (in Zustand: zusammen mit, in Begleitung)
b) an Stelle

 

Zunft
(Eiweiler 1776)

urspr. was sich fügt, passt oder schickt;
a) Übereinkommen, Ordnung, Vertrag
b) genossenschaftliche Verbände der Gewerbetreibenden (Handwerker, Krämer)

 

Zugvieh
(Wasserstreitigkeiten am Klingelborn; Eidenborn/Landsweiler 1762)

Pferde, Ochsen zum Pflügen/für Fuhrwerke
(Abgr. Melkvieh)