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Heilkunde im Mittelalter (niedere Heilkunst)

Für die meisten Patienten waren studierte Ärzte im Mittelalter unerreichbar. Daher spielten Bader, Barbiere und Scherer eine wichtige Rolle. Ihre Tätigkeiten lassen sich nicht exakt voneinander abgrenzen. Ihr Wissen bezogen sie aus mündlichen Überlieferungen und als Schüler bei einem Meister. Sie gehörten zu den sog. „unehrlichen Leuten“.
Erst ab dem 14.Jahrhundert organisierten sie sich in Zünften. Die Ausbildung bestand nun in einer zwei- bis vierjährigen Lehre, dann als Geselle auf Wanderschaft bei anderen Meistern. Nach der Meisterprüfung konnten sie sich selbstständig machen.
Aus diesen Berufsständen entwickelte sich im Laufe des Mittelalters der Wundarzt, der Vorläufer des Chirurgen.
Weitere niedere Heilberufe waren Bruch– und Steinschneider, Starstecher und Zahnbrecher.

(Q.: Selinger, Alice: Heilkunst im Mittelalter; Beiheft zur Ausstellung im Budinger Heuson-Museum, 2013)


Naturalisation, naturalisieren

Einbürgerung eines Ausländers in einen Staatsverband

 

Neubruchzehnt
(mhd. bruoch: Moorboden, Sumpf)

Zehntabgabe auf durch Trockenlegung von Sumpfland neugewonnenes Acker- und Wiesenland (Novalzehnt)

 

nupen
(mhd. noppen)

Gewebe von Noppen (Nupp) reinigen, von Knoten befreien;
mit einer kleinen Zange die Kletten aus dem frisch gefärbten Tuch entfernen
(Walkmühle)

 

Schwarzes Mehl, Aftermehl

Nachmehl; Roggen- oder Weizenmehl, das aus dem sechsten und letzten Gang einer Mühle kommt
(Spühligt)

Nach dem Fegen (Getreidefege) kam das Getreide zur Mühle. Der Weizen (der Roggen nicht!) wurde dort mit klarem Wasser gewaschen und für 12 bis 24 Stunden auf einen Haufen aufgeschüttet, damit die Feuchtigkeit durchziehen konnte. Das geschah hauptsächlich, um den Steinbrand zu eliminieren. Anschließend wurde das Getreide 6mal zum Mahlen aufgeschüttet. Die einzelnen Mahlvorgänge wurden auch als Gang bezeichnet.
1. Gang: Das Getreide wurde gespitzt[1] und von der Kleie abgerieben.
2. Gang: Das Getreide wurde geschrotet.
3. Gang: Der Schrot wurde „durch den Beutel gelassen“[2]. Dies ergab ein ordinäres Mehl.
4. Gang: ergab das Mittelmehl
5. Gang: ergab das Feinmehl
6. Gang: Alles, was noch nicht vermahlen war, auch die Spitzkleie vom 1. Gang, wurde zusammen getan und „scharf durch die Mühle gelassen“. Davon bekam man das schwarze– oder Aftermehl.
Von den erwähnten vier Sorten Mehl, die man beim 3., 4., 5. und 6. Aufschütten erhalten hatte, konnte man durch beliebiges Mischen neue Sorten schaffen.


[1] Die Spitzen wurden beim Roggen und beim Weizen von den Körnern abgestoßen.
[2] Ein eigener Beutel aus Draht oder grobem Beuteltuch, der Bestandteile trennt (siebt).